Dienstag, Januar 27, 2015

Februarkit Gastdesignerin Julie Paradise


Heute stellt sich unsere Gastdesignerin Julie Paradise vor. Sie hat unser Kit quasi "geschlachtet": so viele Layouts - einfach wow!
Was für eine Ehre und Freude, einen Monat lang als Gastdesignerin mit dem Scrapbooking-Kit tätig sein zu dürfen! Mein glamouröser Internetname lautet Julie Paradise. Im wahren Leben trage ich einen beinahe unaussprechlichen russischen Namen, bin aber im Südosten Berlins jemacht, jeboren und uffjewachsen. Dort lebe ich mit meinen beiden Kindern (5 und 6 Jahre alt) und dem weltbesten Mann von meinem Brotberuf als Lektorin und meinem Liebhaberstudium semitischer Sprachen.

Seit wann scrappst du? Wie bist du zum Scrapbooking gekommen?

Zum Scrappen bin ich eher zufällig gekommen, denn obwohl ich schon immer gern gebastelt und gemalt habe und durch mein Blog www.julieparadise.de seit 2007 auch viel im Internet unterwegs war, hatte ich vom Scrappen noch nie etwas gehört, bis ich vor gut einem Jahr über ScrapImpulse, das Blog von Barbara Haane gestolpert bin. Da fiel mir auf, dass ich in den letzten Jahren zwar jede Menge Fotos gemacht hatte, vor allem von den Kindern, vieles aber niemals ausdrucken bzw. entwickeln ließ, vom “Verarbeiten” der Fotos ganz zu schweigen. Als ich dann diese mir zunächst sehr fremden Regeln kennenlernte (Layouts? Titel?? Text???), die eigene Sprache (PP, Dies, Embellishments), die seltsamen Maße (3”x4” oder 12”x12”?) und das so ganz andere Material, als man es normalerweise im Bastelladen kaufen kann, ... als ich dann also diese ganz eigene Welt entdeckte, war es um mich geschehen! Seither versuche ich den Spagat, sowohl mindestens die Hochzeits- und Familienbilder seit 2007 in Alben und auf Layouts zu “verarzten” als auch das aktuelle Geschehen zu dokumentieren.

Was verbindest du mit Scrapbooking?

Scrapbooking ist für mich die ideale Verbindung zwischen Dokumentation (Ich schreibe seit meinem 12. Lebensjahr in selbstgemachten Kalendern eine Art Tagebuch.), schönen (Familien)Fotos und tiefenentspannendem Basteln. Scrappen ist wie Yoga mit vorzeigbarem Ergebnis.

Außerdem wäre es doch schade, wenn die vielen Erinnerungen, die so oft in den sozialen Netzwerken (bei mir ist es Instagram) “versenkt werden”, verlorengingen, oder?!

Was zeichnet deinen Scrapstil aus? Wie würdest du ihn beschreiben?

Meinen Scrapstil kann ich noch nicht so recht in wenigen Worten zusammenfassen, denn da ich erst vor einem Jahr angefangen habe, durchliefen meine Layouts und monatlichen Project Life-Seiten eine rasante Entwicklung von “Ich möchte am liebsten alle schönen Papiere gleichzeitig verwenden! Und Knöpfe! Und Sticker! Und Band! Und Stempel!” zu einem neuerdings sehr viel aufgeräumteren, klareren Stil.

Meine Fotos sind häufig schwarz-weiß gehalten und durch die Verwendung von Instagram-Bildern auch sehr oft quadratisch, daher sind viele meiner Layouts gekennzeichnet durch (sehr) bunte Papiere, die aber in Verbindung mit den monochromen Fotos nicht zu grell wirken.

Was inspiriert dich?

Mich inspiriert beim Scrappen meistens das Foto selbst, das Drumherum muss in Stimmung, Farbe und Stil dazu passen. Gern verwende ich auch Sketche, das sind quasi Skizzen, die die Anordnung der verschiedenen Fotos/Elemente auf dem Layout vorgeben. Wie getreu man diese umsetzt, bleibt jedem selbst überlassen. Auch die Mitmachaktionen im Dani Peuss-Forum (Komm Spielen!) nutze ich gern als Einstieg in ein Projekt. Vor allem wenn nach einer größeren Fotobestellung ein ganzer Stapel Fotos vor mir liegt und ich keinen rechten Mut zum Anfangen habe, sind diese Anregungen super, da auch mal thematische Vorgaben (Dein schönstes Geschenk! Berge oder Meer?), Farben (Alles grün!) oder auch Beschränkungen (Materialvorgaben) einen dazu bringen, ganz anders an ein Layout heranzugehen.

Was sind deine Lieblingsprojekte? Warum?

Layouts sind meine Lieblingsprojekte, darüber hinaus gestalte ich aber auch sehr gern (komplett selbstgebaute) Mini-Alben und Monats-Einlegehefte für meinen Kalender, ein kleines Tutorial gibt es hier.

Welche Werkzeuge oder Materialien sind für dich beim Scrappen unverzichtbar?

Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, sehr viel flacher zu scrappen als zu Beginn, denn so gern ich Bücher und Fotoalben in meiner Wohnung mag, sind die riesigen 12x12 Zoll Alben doch so platzraubend, dass ich gern mit einem oder eineinhalb Alben pro Jahr auskommen möchte. Um das zu erreichen, habe ich mir als Weihnachtsgeschenk an mich selbst einen elektronischen Schneidplotter, die Silhouette Cameo gegönnt, aber die wundervollen Ergebnisse der mechanischen Stanz- und Prägemaschinen wie der Sizzix Big Shot sind so verführerisch, dass ich dem auch nicht mehr lange werde widerstehen können.

Derzeit aber ist Papier das Wichtigste für mich beim Scrappen, schönes Papier kann ich einfach nicht wegwerfen, aus jedem Schnipsel kann man noch ein Teilchen ausstanzen oder es irgendwo unterschieben, zwischenstecken, annähen. Mit der Silhouette möchte ich eigene Titel erstellen und hübsche Ränder sowie Labels bzw. Textfelder erstellen können, ohne von vorhandenen Stanzformen abhängig zu sein.

Außerdem hat sich die Anschaffung eines großen Score-Boards (Falzbrett) sehr gelohnt, denn damit ziehe ich nicht nur schnurgerade Falzkanten vor, sondern “schneide” auch gern das Papier, wofür man nur etwas fester über die Oberfläche fahren muss.

Ein Minitacker wie dieser hier gehört ebenfalls zu meinen meistgenutzen Werkzeugen, außerdem Fotoklebchen.

Die eierlegende Wollmilchsau unter den Klebern ist aber Glossy Accents, das ich wirklich universell benutze, gern auch flächig über gestempelten Bildern, die dadurch einen tollen 3D-Effekt bekommen. Glossy Accents klebt fast alles innerhalb weniger Minuten zusammen, super!

Wann und worüber scrappst du?

Eigentlich sollte ich nur abends scrappen, wenn die Kinder schlafen und alle Arbeit getan ist, manchmal aber, wenn eine Challenge sehr spannend klingt, ich frei habe oder es mich einfach juckt, dann scrappe ich auch mal gern vormittags.

Wie gestaltest du deinen kreativen Prozess? Wie scrappst du am liebsten?

Zunächst schnappe ich mir Bildmaterial, ohne Foto(s) kann ich den Rest nicht gestalten, darum bestelle ich immer reichlich Fotos, wenn ich monatlich mein Handy und meine Festplatten nach den aktuellen Bildern durchsuche. (Tipp: Regelmäßig Fotos sichern! Sowohl auf dem Computer als auch auf einer externen Festplatte/in der Cloud! Für mich hat sich ein einfaches Ordnersystem mit der Benennung nach JJJJ-MM-TT bewährt, praktischerweise speichern viele Smartphones die Fotos gleich derart benannt ab.)

Habe ich dann das passende Papier zu den Fotos gefunden und vielleicht sogar schon Embellishments oder Journalingkarten für meinen Text, schiebe ich alles solange hin und her, bis es ausgewogen aussieht. Dabei ist das Wühlen in meinen Papierbergen (ich besitze inzwischen eine ganze Kiste voller Designpapiere, über 800!) ein großer Teil des Vergnügens, und wenn es nicht gerade schnell gehen muss, wie manchmal beim Online-Crop im Dani Peuss-Forum, dem Endlich Freitag!, dann dehne ich diesen Teil auch gern aus. Nebenher läuft auf meinem PC Musik oder eine Fernsehserie, der schöne Mann sitzt neben mir an seinem eigenen Schreibtisch und zockt Online-Rollenspiele, schaut ab und an interessiert zu, was ich mache, stöhnt genervt, wenn ich wieder mal den Eckenrunder benutze oder etwas stanze/nähe (laut!), dabei plaudern wir und bemerken kaum, wie die Zeit vergeht. So sieht für mich ein perfekt gemütlicher Abend daheim aus.

Was sagt deine Familie/Freunde zu deinem Hobby?

Siehe die letzte Frage ;-) Meine Kinder freuen sich immer, wenn ich ihnen ein neues Layout zeige, denn meistens sind sie ja auf den Fotos zu sehen. Der Mann ist leider etwas fotoscheu, hat mich aber neulich gebeten, den Jungesellenabschied des Kumpels in ein Minialbum zu bringen, letztlich unterstützt er mich aber wie immer bei allem, was mich glücklich macht und uns nicht in den Ruin stürzt. Die Großeltern freuen sich regelmäßig über Fotoalben ihrer Lieben und alle sammeln für mich Rechnungen, Anhänger oder Urlaubsmitbringsel, wenn sie nur halbwegs hübsch sind.

Welche Hersteller bevorzugst du?

Meine Lieblingshersteller sind October Afternoon mit den süßen Vintage-Illustrationen, die mir vor allem bei den Stempeln sehr gut gefallen, Crate Paper hat so viele zarte, verträumte Muster und die hübschesten Bögen zum Zerschneiden, die ich gern als flache Embellishments oder Journalingspots nutze, außerdem liebe ich die älteren Serien von Basic Grey (kein lila!) und fast alles von My Mind's Eye oder Cosmo Cricket, vor allem wenn die Papiere eine schwere Qualität mit Textur haben, wie es übrigens auch bei Carta Bella und Prima oft der Fall ist.

Hast du Papierserien, die für dich ultimativ schön sind/waren?

Meine allerliebste Lieblingsserie ist “Silent Night” von October Afternoon, dicht gefolgt von Public Library (auch von OA), aus diesen Kollektionen habe ich fast alles gekauft, was erhältlich war, die Papiere, Sticker Sheets, Stempel, ... Hach, traumhaft schön!

Welche Scrapbooking-Trends verfolgst du mit Interesse?

Der Goldtrend des letzten Jahres ging mir zunächst etwas auf die Nerven, aber viele Hersteller und vor allem Scrapper haben wunderbare Ideen mit dem allgegenwärtigen goldigen Material umgesetzt, sodass ich damit versöhnt bin und mir neulich sogar goldene Glitzerpaste gegönnt habe, die ich demnächst mit Schablonen verwenden werde.

Mein Scrapbereich besteht aus meinem Schreibtisch und dem Bereich drumherum. Auf dem Schreibtisch, an dem ich auch täglich meiner “normalen” Arbeit nachgehe, habe ich eine Kiste, in die meine kleinen Project Life-Karten passen, 6x6” Papierblöcke und meine Copics, außerdem steht Washi-Tape immer griffbereit, selbstgebastelte Hefte für meine Kalender lagern im Regal zu meiner Rechten, dazu Stifte und noch mehr Stifte und Aquarellfarben auf dem Fensterbrett. Unter dem Schreibtisch stehen zwei Drucker, meine neue Silhouette Cameo (Schneidemaschine) und meine Nähmaschine. Unter dem erhöhten Bett haben wir den Hauptstauraum unserer Wohnung in großen Kisten vom Möbelschweden, darin befinden sich meine Papiere und Fotos.

Auch wenn ich für viele Sachen aufstehen muss, sind doch alle Zubehöre mit einem Schritt erreichbar und ordentlich verstaut, denn mir ist auch beim Scrappen sehr wichtig, dass ich den Überblick behalte; Chaos auf dem Schreibtisch lähmt mich regelrecht.

Was sind deine Erfahrungen mit Project Life? Wie integrierst du es in deinen Alltag?

Ich liebe das Pocket Scrapbooking, auch wenn die ursprüngliche Idee und Aufteilung (jede Woche auf einer Doppelseite) für mich nicht passt. Meine PL-Seiten erstelle ich monatlich, neuerdings ausschließlich mit quadratischen 4x4” (= 10x10 cm) Fotos in quadratischen Taschen und mit minimalem Journaling, wobei ich darauf achte, immer ganze Seiten zu erstellen, einen Monat also nicht mitten in einer Seite beginnen/enden zu lassen.

Und auch wenn ich bis jetzt noch jeden Monat dachte, dass ich zu wenig Fotos hätte, sind es doch immer mindestens 2-3 Doppelseiten geworden, die auch mal Schnappschüsse und Momentaufnahmen beinhalten. Die meisten Fotos mache ich mit meinem Handy, die Qualität der Aufnahmen halte ich für ausreichend, auch wenn die gute alte (digitale) Spiegelreflex natürlich schärfere Aufnahmen liefert. Wenn man sie denn zur Hand hat.

Ich freue mich zum Ende jeden Monats richtig auf das Sammeln meiner Fotos von Handy, Spiegelreflex und PC, manche Fotos bearbeite ich noch mit dem kostenlosen Programm Photoscape nach.

Fotos, die eine besondere Geschichte erzählen oder einfach nur schön sind, bekommen mehr Raum auf einem eigenen Layout und werden oft (zusätzlich) größer ausgedruckt, manchmal sogar in dem Maß 30x30 cm, wobei ich dann PL-Seiten und Layoutseiten mische und die Fotos/Hüllen chronologisch ordne.
Project Life ist vor allem eine schnelle und attraktive Alternative um viele Fotos zeigen zu können, die fertigen Kärtchen, von denen ich an die 1000 Stück zusammengesammelt haben dürfte (1 Core Kit enthält 616 Karten!), nutze ich dort aber so gut wie gar nicht mehr, sondern verwende sie lieber auf traditionellen Layouts um darauf den Textteil unterbringen zu können. Als Grußkarten oder hübsche Erinnerungszettelchen sind sie ebenfalls nützlich.
Ich freue mich sehr darauf, auch Teile des wunderschönen und vielseitigen Februar-Kits in mein PL integrieren zu können (die Sticker! die Dear Lizzy! Watercolour Words! die PP), vor allem, wenn nur noch die letzten, wohlgehüteten Reste des Kits übrig sind, denn PL ist für mich auch eine Möglichkeit, selbst den letzten Papierschnipseln und vereinzelten Stickern noch einen Platz zu geben.

Kommentare:

Gisela hat gesagt…

So viele Layouts und praktische Tipps! Vielen Dank dafür. da muss ich mich doch auch mal an ein Layout wagen!

Dani Peuss hat gesagt…

Na dann mal ran, Gisela :)